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Editorial

„Das Geheimnis der Versöhnung ist die Erinnerung“

Diese Worte spiegeln die Erfahrung vieler Menschen wider, die es nach gewaltsamen Konflikten oder belastenden Schuldgeschichten gewagt haben, eine Brücke der Verständigung zu bauen. Fast immer ist es schmerzlich, sich einer konfliktreichen Geschichte zu stellen, aber wer der Wahrheit nicht ausweicht, gibt der Heilung eine Chance und macht sich auf den Weg hin zur Versöhnung.

In Kärnten gibt es wie überall in der Welt neben den beglückenden geschichtlichen Erfahrungen des Friedens und Wohlstands auch bedrängende Konfliktgeschichten. Zum Beispiel die der Slowenen und Protestanten vor allem in der Zwischenkriegszeit: Slowenische Höfe mussten geräumt werden und deutsche Familien aus dem Norden, meist Protestanten, wurden angesiedelt – gezielt und unmissverständlich deutschnational war das Programm angelegt. Die Familien selbst wussten nicht immer, wozu sie instrumentalisiert wurden, aber die Stimmung am Vorabend des Anschlusses war eindeutig: „Eindeutschung“.

Die Evangelische Akademie Kärnten ist bestrebt, dieses noch weitgehend unerforschte Kapitel der Kärntner Geschichte aufzuarbeiten. Wir sind dankbar, dass uns das Land Kärnten, das Unterrichtsministerium und die Evangelische Kirche dabei maßgeblich unterstützt haben, und dass wir nun gemeinsam mit dem Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje das Symposion organisieren können. Erinnerungsarbeit für ein herausforderndes Kapitel der Kärntner Geschichte, Erinnerungsarbeit, die ein Baustein der Versöhnung sein will. Und vielleicht auch weitere Kreise zieht hin zur Konsensfindung in der Ortstafelfrage.

Martin Müller, Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten
mit dem EAK-Team Veronika Gaugeler-Senitza, Alexander Hanisch-Wolfram, Eldrid Moser-Rapf, Thomas Reiter, Manfred Sauer, Anita Zaucher